Tanzende Tasten bei den Akkordeonfreunden Grötzingen.

„Feierliches Vorspiel“ entführte die Konzertbesucher aus der Grötzinger Begegnungsstätte geradewegs in das Foyer eines Tanzpalastes und geleitete sie in einen Ballsaal, woraus man bereits spanisches Kolorit vernahm. „La Marioneta“ (F. Haag), die Marionette, tanzte virtuell zu den Rhythmen des Orchesters Tango, spanischen Walzer und eine rasante Feria, bis sie nach dem furiosen Ende an ihren Schnüren in sich zusammensank. Tango und Akkordeon – eine Tradition, mit der man das Instrument des Jahres 2026 spontan in Verbindung bringt. Folgerichtig hatte Dirigent Daniel Hennigs daher auch Ian Watsons 2018 komponierten „One Tango“ in das Konzertprogramm aufgenommen.
Elke Daubenberger würdigte in ihrer Moderation die Erfindung und Weiterentwicklung des rund 200 Jahre alten Instruments von der gerade 2 kg leichten Holzkonstruktion bis zu den auf der Bühne präsenten rund 15 kg schweren Instrumenten als Zeugnisse traditioneller und moderner Instrumentenbauer-Kunst. „Das Akkordeon kann die Klangfülle eines ganzen Orchesters entfalten, aber auch sanft und leise zum Träumen einladen“. Ihre Ausführungen zur Historie des Akkordeons wurden vom Publikum interessiert aufgenommen.
Im benachbarten Ballsaal ertönten bekannte Walzerklänge und erzeugten leises kollektives Mitsummen unter den Zuhörerinnen und Zuhörern. Die vor allem durch André Rieu populären Passagen des „Walzer Nr. 2“ von Schostakowitsch waren weithin bekannt. Am Ende des virtuellen Ganges durch die Ballsäle stand die bleibende und imposante „Erinnerung an ein Ballerlebnis“ (Hans Bund).
Neugierig und gespannt begrüßten die Konzertbesucher nun das Gast-Ensemble „Con Sprituoso“, fünf ehemalige Spieler des Landesjugendorchesters NRW, die sich dem Akkordeon seit fast 20 Jahren „mit Humor, mit Witz“ verschrieben haben. Abgestimmt auf das Konzertthema hatten sie einfach „alles, wo Tanz draufstand“ aus ihrem Repertoire gezogen und bewiesen eine teuflisch gute Virtuosität (z.B. „Teufelstanz“, „Balkandance“, „Walzer“/Tschaikowsky…) mit allem, was das Instrument hergibt: Tasten, Knöpfe, Register, Balg. Der optische Farbtupfer erwies sich innerhalb des Konzerts als musikalisches i-Tüpfelchen und begeisterte das Publikum.
Nach einer prickelnden Pause bei Sekt oder Selters verlagerte sich das Geschehen vom Ballhaus nicht minder prickelnd nach Mittelamerika zu einer Fiesta mit bäuerlichem Tanz. „Danzon Nr. 2“ von Arturo Marquéz (arr. W. Pfeffer) symbolisiert mexikanische Musik und Kultur und wird umgangssprachlich sogar als Mexikos zweite Nationalhymne bezeichnet. Das technisch und rhythmisch anspruchsvolle Stück forderte Orchester und Dirigent gleichermaßen, was das fachkundige Publikum nach dem Schlussakkord laut vernehmlich honorierte.
Musikalisch ist die Grenze zwischen Mexiko und den USA einfacher zu überwinden als in der politischen Realität und so schoben sich nun die US-Filmklassiker Flashdance und Dirty Dancing ins Programm. „What a Feeling“ – stimmgewaltig präsentiert von Sylvana Westkämper, einem gern gesehenen Gast, und „Time of my Life“ im Duett mit Dennis Plischke, begeisterten auch ohne die berühmte Hebefigur!
Kollektives Fußwippen erzeugte abschließend das Potpourri „Swing mit Robbie Williams“ (H.-G. Kölz), eine Hommage an das Rat Pack, die legendäre Gruppe von Entertainern um Frank Sinatra und Dean Martin, die in den 50er/60er Jahren Hollywood und Las Vegas prägten. Und die Zugabe würdigte den Altmeister unter den deutschen Tanzorchestern: Bert Kaempfert mit „A Swinging Safari“, ein allseits bekannter Ohrwurm.
Zum Ende des höchst abwechslungsreichen Konzertabends pflichtete das Publikum dem Dresdner Komponisten Morgenstern bei: „Heute spielen weniger Menschen Akkordeon als früher, doch diejenigen, die es tun, oft auf hohem künstlerischem Niveau…“
Vorstand Steffen Daubenberger richtete seine Dankesworte an den auch zu später Stunde noch vollbesetzten Saal, das Orchester, den Dirigenten, die Sänger, die Moderatorin – und natürlich an die bunte Truppe des Gastensembles. Das Konzerterlebnis wurde von den Gästen am Ausgang dankbar honoriert und sei es auch mit 1- und 2-Cent-Münzen…
cl.pl.











